Richard „Ar/Gee Gleim“ war „Jazzer“, bevor er den Punk entdeckte. Eines Abends, Ende der Siebziger Jahre, kam er mit seiner Klarinette unter dem Arm an der Ratinger Straße in der Düsseldorfer Altstadt vorbei und sah die Menschenmassen vor dem Ratinger Hof. In diesem Moment wurde ihm klar, dass dort etwas passierte, was er festhalten müsse, und zwar mit fotografischen Mitteln.

Er war kein Fotograf, zumindest kein ausgebildeter, sondern Landschaftsgärtner bei einer großen Gärtnerei in Neuss. Aber er hatte den Blick für das Besondere, was dort auf der Straße vor sich ging und man gewährte ihm, dem Szene-Fremden, den Zugang, der nötig war, um derart intime Portraits einer Zeit und einer Szene zu machen, die Düsseldorf für eine kurze Zeit an die Spitze der deutschen und internationalen Musikszene katapultierte, weit vor Berlin und Hamburg.

Der Ratinger Hof als Epizentrum der Punk- und Wavebewegung wurde zu seiner Heimat. Hier dokumentierte ar/gee Gleim, wie er nach seinen englischen Initialen genannt wird, die Protagonisten der frühen deutschen Punk-Bewegung: ZK, S.Y.P.H., KFC, Mittagspause, Die Krupps, DAF, Fehlfarben, Die Ärzte, Einstürzende Neubauten und die frühen Toten Hosen.

Gleims Fotodokumentation Guter Abzug wurde 1982 bei der documenta in Kassel vorgestellt. Seine Fotografien sind echte Zeitdokumente und wurden in der Ausstellung Zurück zum Beton“ im Juli 2002 in der Kunsthalle Düsseldorf gezeigt. Gleim betrieb jahrelang eine Künstleragentur in Düsseldorf und schreibt als Autor in diversen Onlinemagazinen und Blogs.